DIENSTRAUM #02 – FLORIAN GRAF

 

März bis Mai 2018

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Auf Einladung der SBB bespielt das Kunstmuseum Olten einen ehemaligen Dienstraum auf dem zentralen Perron 7 des Oltner Bahnhofs ab Frühsommer 2018 mit zeitgenössischer Kunst. Die explizit für diesen Ort geschaffenen Werke nehmen Bezug auf das besondere Flair des Bahnhofs mit seinen eigenen Gesetzmässigkeiten. Auch die Tatsache, dass Oltens Geschichte eng mit der Entstehung des Schweizer Eisenbahnnetzes verbunden ist, soll darin Widerhall finden. Mitten im Pendlerstrom entsteht so ein Ort für Entdeckungen und Überraschungen, zum Nachdenken und Schmunzeln, zum Innehalten und Staunen. Den Auftakt machen Werke aus der Museumssammlung, die sich für die Präsentation im Bahnhof anbieten, aktuell:

 

 

 


ausdienstraum1FLORIAN GRAF (*1980)

Weg weisend, 2015

Alu, screen print, 375 x 170 x 170 cm

Kunstmuseum Olten, Inv. 2016.40

 

«Liberté», «Egalité» und «Fraternité», die Leitbegriffe der Französischen Revolution, symbolisieren die Grundlagen der Verfassungen demokratischer Staaten, auch in der Schweiz. Als Stützen des Gesellschaftssystems bilden sie das Fundament, auf dem unsere sozialen, kulturellen und technischen Errungenschaften aufbauen, etwa die Infrastruktur für den öffentlichen und privaten Verkehr.

In Florians Skulptur «Weg weisend» fragen sie – auf fiktiven Strassenschildern in unterschiedliche Richtungen weisend – ironisch nach der heutigen Bedeutung, nach aktuellen Interpretationen und Umsetzungen der Ideale der Aufklärung. So führt die Freiheit etwa zur Autobahn. Das Wort «Auto» kommt aus dem Griechischen und bedeutet «selbst, persönlich, allein, für sich selbst»; heute ist es zum Inbegriff unserer Autonomie- und Freiheitsvorstellungen geworden. Die Gleichheit weist indes zur historischen Sehenswürdigkeit und die Brüderlichkeit scheint nur noch lokal angesiedelt zu sein...

Der 1980 in Basel geborene Florian Graf ist ein vielreisender Künstler, der immer «dort lebt, wo er arbeitet und dort arbeitet, wo er lebt». Als ausgebildeter Architekt beschäftigt er sich in seinen rund um den Erdball realisierten und vielfach ausgezeichneten Kunstwerken und Projekten mit den

Schnittstellen von Raum, Architektur und Kunst. Kritisch und humorvoll untersucht er das Spannungsfeld zwischen kollektiven Systemen und persönlichen Normvorstellungen, Empfindungen und Wünschen. Florian Grafs Kunst ist utopisch – aber nicht in dem Sinn, dass sie eine der Gegenwart entgegengesetzte Zukunft entwirft, sondern, indem sie die Gegenwart sich

selber gegenüberstellt.

 

«Ein Fahrender erfährt, ein Sitzender besitzt. Mich interessieren die Erfahrungen und das Leben unter ungewohnten Bedingungen. Das Nicht-zu-Hause-Sein zwingt zur Offenheit. Kunst sollte das auch tun: Sie sollte zur Offenheit zwingen oder zumindest neue Perspektiven ermöglichen. [...] Das Reisen an sich interessiert mich nicht. Ich suche die damit verbundene Freiheit. Ich muss mir einen frischen, unabhängigen Blick bewahren. Ich verstehe den Künstler u. a. als eine Art Hofnarr, der kritische Kommentare mit Witz und Poesie serviert.» (Florian Graf, 2011)

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