Ausstellung vom 16. September - 11. November 2007

Vernissage Samstag, 15. September, 18 Uhr

 

Eigentlich müsste die längst fällige Retrospektive über das Werk des Malers Hans Schweizer in der Ostschweiz stattfinden, jener Gegend, aus der er kommt und in die er zurückgekehrt ist. Oder etwa doch nicht? Passt das Schaffen dieses Künstlers, der zwar 1942 in Herisau zur Welt kam, dann im sanktgallischen St.Peterzell aufwuchs und in St.Gallen eine Lehre als Schaufensterdekorateur machte, der aber wichtige Schaffensjahre in Paris, Toronto, Berlin und Zürich verbracht hat und so oft unterwegs ist, dass er «Heimat» überall erfahren kann, eben darum nicht optimal ins verkehrtechnisch zentralste Museum der Schweiz? Bereits 1995/96 konnte man hier in einer vielbeachteten Ausstellung Einblick in die damals jüngste Werkphase des Künstlers gewinnen.

 

Die jetzige Ausstellung, vom 16. September bis 11. November 2007 im Kunstmuseum Olten, will erstmals einen Überblick über das gesamte Schaffen von Hans Schweizer vermitteln, über ein Werk, das sich völlig unlinear entwickelt hat, dessen formal so verschiedenen Phasen bis anhin noch nie im Zusammenhang gezeigt worden sind.

 

Um 1970 – parallel zu den ersten hyperrealistischen Werken von Franz Gertsch und Alfred Hofkunst – schuf Hans Schweizer Zeichnungen und Radierungen auf denen originalgrosse Turnschuhe, Coca-Cola-Büchsen oder beispielsweise eine Nähmaschine zu sehen waren. Und das zu einem Zeitpunkt, in dem es den Galeristen allmählich gelang, ihre Kunden für die abstrakte Kunst zu gewinnen! Der Zeichner überraschte bald als Maler, mit durchrhythmisierten Bildern, auf denen ein Motiv auftauchte, das die Volkskünstler für sich gepachtet hatten: die Kuh. Gegen 1990 wurden die dynamischen Malereien stiller, dafür farbdifferenzierter. Vibrierende Farbharmonien schuf er nun, ausgehend von alltäglichen visuellen Erfahrungen. Im neusten Schaffen reduziert sich die Farbigkeit. Gleichsam durch einen Farbfilter beobachtet er nun unsere Welt.

 

Als einen Künstler, der zwischen den Stühlen sitzt, weder zu den Traditionalisten noch zu den Modernisten gehört, charakterisiert der Kunsthistoriker Volkard Knigge diesen Maler, der eigenwillig und unbeirrbar seinen Weg geht.

 

Die figurative Malerei nimmt im Ausstellungsprogramm der Leiterin des Kunstmuseums Olten, Patricia Nussbaum (wie schon in dem ihrer Vorgänger) einen besonderen Stellenwert ein. Der Gegenständlichkeit verpflichtet sind auch die Arbeiten von Hans Schweizer – wobei der Abstrahierungsgrad allerdings oft so hoch ist, dass der Ausgangspunkt seiner Bilder nicht selten eher erahnt als erkannt werden kann. «Ich finde, die sichtbare Welt ist sehr interessant. Das hat mit meinem Temperament zu tun, dass ich nicht alles erfinden kann, sondern von Gesehenem ausgehe.» Was Hans Schweizer sieht, ist oft nichts Ungewöhnliches, ungewöhnlich aber ist das, was er uns schliesslich zeigt. Geradezu idyllische Sujets faszinieren ihn ebenso wie die chaotische, aggressive Gegenwart.

 

Hans Schweizer, wäre er nicht Künstler, sondern Angestellter, würde dieses Jahr pensioniert. Aber er wirkt jung, sein Blick ist wachsam, und es ist nicht anzunehmen, dass er den Pinsel so schnell ablegt.

 

Anlässlich dieser Ausstellung erscheint im Appenzeller Verlag Herisau eine 160seitige Monographie über Hans Schweizer. Das Buch enthält 150 Abbildungen. Die Texte verfassten Volkhard Knigge, Natalia Huser, Peter Killer, Guido Magnaguagno, Martin Mäntele, Walter Moos, Patricia Nussbaum und Helga Sandl. Der Appenzeller Verlag schickt Ihnen gern ein Rezensionsexemplar zu. Auf www.appenzellerverlag.ch befindet sich ein Bestellformular.

 

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Hans Schweizer -Retrospektive im Kunstmuseum Olten

Zwischen Chaos und Idyll

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