Ausstellung vom 5. Juli - 30. August 2009

Vernissage: Samstag, 4. Juli, 18 Uhr

 

Anlass zur Ausstellung gab das Anliegen des Künstlers, endlich eine Publikation mit eigenen Gedichten, zusammen mit Zeichnungen, herauszugeben. „Niemand weiss, wohin Lawrence Lees Gedichte hingehen. Hinter jeder Ecke lauert Unerwartetes. Sie überspringen die Syntax mit kecker Frische. Wörter werden Gegenstände, herumliegende Fragmente. (...) Was frei und gesetzlos schwebt, erhebt sich über hergebrachtes Verständnis. Es bleibt nur Staunen, Abwinken oder nachgebende Einstimmung.“ So schreibt Fritz Senn quasi als Vorwarnung an die Leser im Frontispiz der nun vorliegenden Publikation und diese Sätze könnten ebenso für Lees bildnerisches Schaffen gelten. Das Buch bringt Texte von Lee mit einer strengen Auswahl aus dessen in den letzten zwanzig Jahren entstandenen Zeichnungen zusammen.

 

Der in Borneo geborene Künstler (*1948) ist um die halbe Welt gereist, bevor er 1972 zufällig, auf Anregung von Max Matter, in einem Atelier der Ziegelraingemeinschaft in Aarau eine Bleibe fand. Er sei in jeder Kultur zuhause, sagt er, denn: „I am a pure bastard“.

Einen prägenden Eindruck hinterliess das Studium bei Joseph Beuys, der ihn im Rahmen der „Free International University“ zur Partizipierung an der Kölner Documenta 1977 einlud. Lawrence Lee zeigte 1984 im Kunsthaus Aarau „Das Bambuslied“, 1988 im Kunstmuseum Olten „In den Berg hinein“ (mit eigensinnig interpretierenden Bildern zur Arbeit im Eisenbahntunnel durch den Hauenstein), und präsentierte im selben Jahr im Musée jurassien des arts eine einstweilige Ausbeute seines phänomenalen Projekts, auf Riesenleinwänden hunderte von Porträts diverser Geistesgrössen aus möglichst vielen Ländern zusammenzuführen, die er persönlich traf und die er bewundert: Philosophen, Literaten, Musiker, Filmer oder bildende Künstler.

 

Die karg eingerichtete Ausstellung „wehen“ – dieser Titel nimmt die verschiedenen Bedeutungen dieses Wortes auf – liest sich wie eine Hommage an James Joyce. Abseits des Künstlers Selbstver-strickung mit unzähligen Namen der Geistesgeschichte steht im Zentrum der Ausstel-lung das (hörbare, aber nicht sichtbare) Atmen. Entsprechend still soll es sein. Mit „Enthülltes Lied“, 2009, hat Lawrence Lee zunächst 16 Zeichnungen zum Leben Buddhas auf Notenpapier angefertigt. Diese Zeichnungen überschrieb der Musiker Alfred Zimmerlin mit einer eigens dazu geschriebenen Komposition „16 Buddha-Stationen für Lee“. Danach hat Lee die Zeichnungen mit der Notenschrift mit einer dritten zeichnerischen Schicht überzogen. Anlässlich der Eröffnung wurde das Musikstück für zwei Bratschen im hinteren Raum des 1. Obergeschosses aufgeführt.

 

Öffentliche Führung durch die Ausstellungen:

Sonntag, 9. August 2009, 11 Uhr

 

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Lawrence Lee Khui Fatt: wehen

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