DIENSTRAUM

Die Filiale des Kunstmuseums im Bahnhof Olten

 

Das Kunstmuseum Olten hat seit Dezember 2017 eine FILIALE im BAHNHOF OLTEN: den DIENSTRAUM! Auf dem zentralen Perron 7, wo sich der Eingang zum legendären Bahnhofbuffet befindet, wird einem leerstehenden Dienstraum durch Kunst neues Leben eingehaucht. Auf Einladung der SBB bespielt das Museum den Glaskubus beim Treppenaufgang ab Februar 2018 mit zeitgenössischer Kunst. Die dort gezeigten, teils explizit für diesen Ort geschaffenen Werke nehmen Bezug auf das besondere Flair des Bahnhofs mit seinen ganz eigenen Gesetzmässigkeiten. Auch die Tatsache, dass Oltens Geschichte eng mit der Entstehung des Schweizer Eisenbahnnetzes verbunden ist, wird darin Widerhall finden.

 

 

 


ausdienstraum0601Dienstraum #6

1. Juni bis 11. August 2019

 

Die sechste Intervention erinnert an die ursprüngliche Funktion des Glaskubus, die heute von der grossen Betriebszentrale übernommen wird. Einst standen hier im Dienstraum unter anderem ein Computer und ein Telefon. Von hier aus wurden Lautsprecherdurchsagen getätigt, und das Bahnpersonal konnte sich über Verspätungen und Zugsausfälle informieren.

 

SERGEJ’S WORLD

Sergej Klammer kuratiert von Sandy Paucic

Leihgabe des Künstlers

 

Sergej Klammer (*1974) und Sandi Paucic (*1963) haben Erfahrung mit Eisenbahnen –·im Kleinformat. Ihr über viele Jahre weiterentwickeltes Projekt «Trans K3 Express» hatte nach Stationen in Rotterdam, Zürich und Basel seinen jüngsten Auftritt 2017 in Olten, im Rahmen der Ausstellung «Voyage, voyage!» im Kunstmuseum. Die Liveübertragung aus einem Wohnwagen, in den eine riesige Modelleisenbahnanalge eingebaut worden war, bot eine visuelle Kunstreise durch die Sammlung des Museums. Ein Kamerazug sendete Livebilder von der Fahrt durch den Wohnwagen, in welchem temporär zahlreiche Kunstwerke aus dem Kunstmuseum Olten installiert worden waren.

Im Dienstraum setzt nun Sandi Paucic, in die Rolle des Kurators schlüpfend, das Atelier seines Künstler-Freundes, Architekten und Tüftlers Sergej Klammer in Szene. In dessen Werkraum sind einst auch Teile des Oltner Modell-Eisenbahnprojekts realisiert worden, so etwa die von Klammer zusammengelötete, archaisch wirkende digitale Stellwerkeinheit des «Trans K3 Express».

Im Dienstraum ist ein faszinierendes Universum aus blinkenden Apparaturen, Erfindungen, flimmernden Fernsehbildern, Fotos und Modellen zu sehen – der Blick in die Schaltzentrale eines innovativen Denkers und Tüftlers in den Fussstapfen der Pioniere der Eisenbahn und anderer Schrittmacher des technischen Fortschritts. Klammer programmiert und baut in seiner künstlerischen Arbeit elektronische Geräte um und manipuliert damit ihre ursprüngliche Funktionalität. Er schafft mit «Do it yourself»-Mitteln absurde aber auch poetische Werke und übt feinfühlige Kritik an der technischen Umwelt und an den Bildern und Botschaften, die sie generiert.

 

> weitere Informationen zu Sergej Klammer (link)

> weitere Informationen zu Sandi Paucic (link)

> pressemitteilung (pdf)

 

 

 


ausdienstraum0501Dienstraum #5

10. März bis 12. Mai 2019

 

Die fünfte Ausgabe steht in Zusammenhang mit den aktuellen Ausstellungen des Kunstmuseums Olten rund um den Werkstoff Keramik und das Schaffen der Berner Keramikerin Margrit Linck. Zu sehen sind zwei Skulpturen einer ehem. Mitarbeiterin der Linck-Manufaktur:

 

Karin Lehmann (*1981)

 

Jetztmensch, 2015

Acrystal, Gips, Styropor

105 x 86 x 97 cm

200 x 99 x 99 cm

Leihgabe der Künstlerin

 

Entstanden sind die Skulpturen für eine Schaufensterausstellung im Berner Warenhaus LOEB. Die Intervention ging der Frage nach, wie die Verknüpfung von Herkunft, Erinnerung, kollektivem Wissen und noch nicht Geschehenem hergestellt werden kann. Wie lässt sich eine Annäherung an die gegenwärtige Daseinsform des Menschen thematisieren und künstlerisch erforschen?

 

Der «Jetztmensch» beschäftigt sich mit der eigenen Gegenwärtigkeit anhand seiner Geschichte und seiner Entwicklung – Lehmann wählt als Bild dafür elementare Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Ihre überdimensionierten Vasen muten archaisch an und gemahnen mit ihren fingierten Flicknähten an archäologische Fundstücke. Sie verweisen auf die Ursprünge menschlicher Kulturtechniken und deren Erforschung sowie auf die Wurzeln eines uralten Handwerks: der Töpferkunst.

Diese erlebt zwar – als Authentizität verheissender Gegenpol zur zunehmenden Digitalisierung und Virtualität unseres Lebens – im Kontext urbaner Freizeitgestaltung und hippen Lifestyles gerade eine eigentliche Renaissance, nichtsdestotrotz ist die Töpferei als Beruf ein Auslaufmodell.

Geschirr, Transport- und Lagergefässe werden industriell gefertigt, unter Verwendung immer neuer Materialien und Technologien, um den wachsenden Ansprüchen an Grösse, Belastbarkeit und globaler Standardisierung zu genügen.

 

Höchst anspielungsreich erweist sich in diesem Zusammenhang die augenzwinkernde Material-wahl der Künstlerin: Für die beiden Vasen hat sie – als versierte Töfperin – nicht etwa Töpferton, sondern vielmehr moderne Werkstoffe wie Acrystal, Styropor und Gips verwendet.

 

Die uns in den Blick nehmenden Gesichter der Vasen erinnern indes an das menschliche Bedürfnis nach Veredelung und Schmuck, das vielen kulturellen Leistungen zu Grunde liegt. Die von den Gesichtszügen akzentuierte Verwandtschaft zwischen Gefäss- und menschlichen Körperformen lässt die Objekte für die Betrachtenden zum Spiegel werden.

 

Mit der für sie charakteristischen Leichtigkeit und Stringenz räsoniert Karin Lehmann – ganz Jetztmensch – feinsinnig und witzig zugleich über das Wesen menschlichen Handelns und Seins.

 

Die Berner Künstlerin Karin Lehmann (*1981) interessiert sich für den Arbeitsprozess, der die endgültige Form ihrer Objekte, Skulpturen und Installationen mitbestimmt, und setzt den Fokus auf einen Umgang auf ‹Augenhöhe› mit dem Ausgangsmaterial. Praktisches Wissen, handwerkliche Meisterschaft, Experimentierfreude und Reflexion gehen bei ihr Hand in Hand. Mit Leichtigkeit und feinem Humor schlägt sie so die Brücke zwischen einem konzeptuellen Ansatz und handwerklichem Können.

 

Nach dem Besuch der Keramikfachklasse an der Schule für Gestaltung in Bern hat sie einen Master in Bildender Kunst an der Hochschule der Künste Bern HKB erlangt, wo sie heute Studierende in der Keramikwerkstatt unterstützt. Während dem Studium arbeitete sie als Dreherin in der renommierten Keramikmanufaktur Linck in Worblaufen. Nach einem längeren Aufenthalt in London lebt und arbeitet Lehmann heute wieder in Bern. Ihr Schaffen war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen. Aktuell ist sie an der Ausstellung «Linck. Reloaded» im Kunstmuseum Olten beteiligt.

 

> weitere Informationen zur Künstlerin (link)

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ausdienstraum04DIENSTRAUM #4

1. Dezember 2018 bis 17. Februar 2019

 

Passend zur Weihnachtszeit präsentiert die vierte Ausgabe zwei leuchtende und (ver-)packende Skulpturen der St. Galler Künstlerin Lucie Schenker (*1943) und verlängert damit nach der im Herbst im Kunstmuseum gezeigten Ausstellung «weiche Raster» ihre Präsenz in Olten:

 

Lucie Schenker (*1943)

 

En rose, 2003

Polyethylen, geschweisst, Montagefäden

courtesy the artist

 

Skript, 2002

Acrylglasstab, gebogen

courtesy the artist

 

Das Werk von Lucie Schenker ist untrennbar mit dem Textilen verbunden. Charakteristisch für ihre vornehmlich skulpturale Sprache ist der Gebrauch von taktilen «Stoffen» – von leichten Textilien über Plexiglas, Plastikfolie und Draht bis hin zu Eisenstäben –, welche die Künstlerin zu gewobenen oder gestrickten Strukturen von eindrücklicher Materialiät verarbeitet.

Die gelernte Textilentwerferin hat schon immer mit verschiedenen Materialien gearbeitet. Von Metall – Eisen und Stahl – hart und schwer – über Plexiglas und Plastikfolie bis hin zu sehr unterschiedlichen, federleichten Textilien. Dabei zieht sich der Wunsch, einen Körper zu schaffen, der vom Licht durchdrungen wird, wie ein roter Faden durch ihr über 40-jähriges Schaffen.

Die so entstandenen Skulpturen und Installationen wirken oft wie in Auflösung begriffen oder aufgebrochen, was durchaus beabsichtigt ist. Zwischenräume sind wesentliche Komponenten ihrer Arbeit, die Linie ist das zentrale formale Mittel. Denn das durchscheinende Licht, das den dichten, oft schweren Werkstoffen grösstmögliche Transparenz und Leichtigkeit verleiht, ist ein zentrales Anliegen von Schenkers Kunst.

Aber auch die umgebende Architektur des ehemaligen Dienstraums wird durch die sparsame Intervention in Szene gesetzt. Harte und weiche, runde und eckige Formen treffen aufeinander. Decke, Wand und Boden verbindendend, füllen sie den Raum mit neuen Inhalten und machen ihn zum Gefäss von Anspielungen und Ideen.

 

Weitere Informationen:

> www.lucieschenker.kleio.com

> pressemitteilung (pdf)

 

 

 


ausdienstraum3DIENSTRAUM #03

Mitte Juli bis Mitte September 2018

 

Passend zur Ferienzeit präsentiert die dritte Ausgabe eine sommerlich anmutende Betonplastik des in Basel lebenden schweizerisch/polnischen Künstlers Pawel Ferus:

 

Pawel Ferus (*1973)

Femme de Venice Beach, 2017

Beton, Bikinioberteil, Armierungseisen

178 x 30 x 41 cm

courtesy the artist & balzer projects, Basel

Leichtfüssig humorvoll und philosophisch zugleich bringt Pawel Ferus in minimalistischer Ästhetik und mit der ihm eigenen technisch-handwerklichen Präzision absolut gegensätzliche Materialien zusammen und eröffnet damit, vom Titel untermauert, ein weites Feld an Referenzen und Assoziationen.

 

Die Figur als Paradedisziplin der klassischen Bildhauerkunst und der menschliche Körper als umkämpfte Projektionsfläche ökonomischer/politischer Interessen und individueller Begehrlichkeiten sind Gegenstand seiner Untersuchung.

 

Formal Bezug nehmend auf eine Ikone der Kunstgeschichte, Alberto Giacomettis (1901–1966) berühmte Serie «Femmes de Venise», die der Schweizer Künstler 1956 an der Biennale von Venedig präsentierte, lotet Ferus die Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion aus, studiert das Verhältnis von Sockel und Skulptur sowie von Erscheinung und Begriff und experimentiert mit dem Darstellungstyp des menschlichen Torso.

 

Der gewagte gedankliche Sprung von den fragilen, existentialistischen Frauenfiguren Giacomettis zum sinnlich aufgeladenen Körperkult, den der Name des kalifornischen Traumstrands „Venice Beach“ evoziert, der nota bene auch für den Markennamen des von Ferus verwendeten Bikinis Pate stand, stösst Fragen rund um die Repräsentation, Konstruktion und Existenz von Körpern an – und verleitet vielleicht zugleich zur Feldforschung am nächsten Gewässer.

 

Pawel Ferus wurde 1973 in Polen geboren, hat im Kanton Solothurn die Matur und eine Steinbildhauerlehre abgeschlossen und anschliessen an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel einen Master in Fine Arts erworben. Ferus lebt und arbeitet in Basel. Sein Schaffen ist in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten und wurde mit mehreren Atelierstipendien und Preisen ausgezeichnet. Zuletzt hat er 2017 in Olten im Rahmen der Jahresausstellung der Solothurner Künstlerinnen und Künstler den Rentsch-Preis erhalten – für die Beton-Skulptur «Ex Future Figure», ein mit weissen Unterhosen bekleidetes maskulines Pendant zu «Femme de Venice Beach».

 

Weitere Informationen:

> www.pawelferus.com

> www.balzerprojects.com

> pressemitteilung (pdf)

 

 

 


ausdienstraum1DIENSTRAUM #02

März bis Mai 2018

 

FLORIAN GRAF (*1980)

Weg weisend, 2015

Alu, screen print, 375 x 170 x 170 cm

Kunstmuseum Olten, Inv. 2016.40

 

«Liberté», «Egalité» und «Fraternité», die Leitbegriffe der Französischen Revolution, symbolisieren die Grundlagen der Verfassungen demokratischer Staaten, auch in der Schweiz. Als Stützen des Gesellschaftssystems bilden sie das Fundament, auf dem unsere sozialen, kulturellen und technischen Errungenschaften aufbauen, etwa die Infrastruktur für den öffentlichen und privaten Verkehr.

In Florians Skulptur «Weg weisend» fragen sie – auf fiktiven Strassenschildern in unterschiedliche Richtungen weisend – ironisch nach der heutigen Bedeutung, nach aktuellen Interpretationen und Umsetzungen der Ideale der Aufklärung. So führt die Freiheit etwa zur Autobahn. Das Wort «Auto» kommt aus dem Griechischen und bedeutet «selbst, persönlich, allein, für sich selbst»; heute ist es zum Inbegriff unserer Autonomie- und Freiheitsvorstellungen geworden. Die Gleichheit weist indes zur historischen Sehenswürdigkeit und die Brüderlichkeit scheint nur noch lokal angesiedelt zu sein...

Der 1980 in Basel geborene Florian Graf ist ein vielreisender Künstler, der immer «dort lebt, wo er arbeitet und dort arbeitet, wo er lebt». Als ausgebildeter Architekt beschäftigt er sich in seinen rund um den Erdball realisierten und vielfach ausgezeichneten Kunstwerken und Projekten mit den

Schnittstellen von Raum, Architektur und Kunst. Kritisch und humorvoll untersucht er das Spannungsfeld zwischen kollektiven Systemen und persönlichen Normvorstellungen, Empfindungen und Wünschen. Florian Grafs Kunst ist utopisch – aber nicht in dem Sinn, dass sie eine der Gegenwart entgegengesetzte Zukunft entwirft, sondern, indem sie die Gegenwart sich

selber gegenüberstellt.

 

«Ein Fahrender erfährt, ein Sitzender besitzt. Mich interessieren die Erfahrungen und das Leben unter ungewohnten Bedingungen. Das Nicht-zu-Hause-Sein zwingt zur Offenheit. Kunst sollte das auch tun: Sie sollte zur Offenheit zwingen oder zumindest neue Perspektiven ermöglichen. [...] Das Reisen an sich interessiert mich nicht. Ich suche die damit verbundene Freiheit. Ich muss mir einen frischen, unabhängigen Blick bewahren. Ich verstehe den Künstler u. a. als eine Art Hofnarr, der kritische Kommentare mit Witz und Poesie serviert.» (Florian Graf, 2011)

> pressemitteilung (pdf)

 

 

 


ausdienstraum2DIENSTRAUM #01

Dezember 2017 bis März 2018

 

Als Amuse-Bouche zeigen wir ein Hauptwerk aus der Museumssammlung, das sich für die Präsentation im Bahnhof anbietet:

 

CHRISTIAN ROTHACHER (1944–2007)

Paris Est – départ 19.22 h, 1981

Neonröhre, Dimmer, Plexiglasrohr, Siebdruck auf Klebefolie

Kunstmuseums Olten, Inv. 2006.18

 

Christian Rothacher war zunächst als Schuhcreateur bei Bally in Schönenwerd tätig, bevor er in Zürich Bildende Kunst studierte. Von 1967 bis 1975 gehörte er zur legendären Ateliergemeinschaft Ziegelrain in Aarau. Ausgehend von der Pop Art schuf er später in der Manier der Arte Povera Kunstwerke aus «kunstfremden» Materialien wie Ästen, Fellen oder Schnüren. Oft verfremdete er Utensilien, die sich im Atelier eines Künstlers befinden, etwa Palette, Pinsel und Bleistift, und stellte damit grundlegende Fragen zum Künstlerdasein. Ist Kunst autonom? Wieweit berührt Kunst das tägliche Leben? Und berührt Kunst mich? Auch das vorliegende Werk ist aus einem alltäglichen Gebrauchsobjekt gefertigt, einer Neonröhre. Sie wird mittels einer bedruckten Folie kurzerhand in einen Nachtzug verwandelt, der nach Zwischenstopps in verschiedenen Kunstmuseen nun erstmals im Bahnhof Olten Halt macht.

> pressemitteilung (pdf)

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