«Und Hasen, Hasen schneit es fort, Millionen jede Stund’»

Disteli-Dialog mit Hans Peter Litscher

 

26. Januar bis 26. April 2020

Vernissage: Samstag, 25. Januar, 18.30 Uhr

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Nachdem Hans Peter Litscher im Spätherbst 1962, noch nicht trocken hinter den Ohren, Martin Distelis «Tollem Jäger» von 1838 ausgesetzt worden war, soll er jahrelang an einem «Hasentrauma» gelitten und immer und immer wieder von Alpträumen heimgesucht worden sein, in denen blutrünstige Hasenrudel zähnefletschend bei Vollmond über ihn herfielen, bis er jeweils, im Morgengrauen, in Angstschweiss gebadet aus dem Schlaf aufschreckte.

 

Erst «Herr Doktor» Jean Christophe Ammann, der Distelis Bild im Kontext der 68er-Unruhen als «Aufstand der Hasen» deutete, Litscher Zugang zu geistesverwandten «aufständischen Hasen-Begeisterten» der «documenta V» in Kassel verschaffte und Litschers «Manabozho I» & «Manabozho II» in den frühen 1970er-Jahren im Kunstmuseum Luzern präsentierte, ermöglichte es dem Geplagten, sich von seinem «Hasentrauma» zu befreien.

 

Zur Seite gestanden haben Ammann bei diesem Befreiungsschlag – selbstverständlich – Harald Szeeman und eine Unzahl «hasensolidarischer» Künstlerinnen und Künstler wie Jean-Michel Basquiat, Joseph Beuys, Joseph Cornell, Marianne Eigenheer, Meret Oppenheim, Sigmar Polke, Dieter Roth, Margret Rufener, Paul Thek und Young Voss, deren einstmals revolutionäre «Leporidiana» nun erstmals im Kunstmuseum Olten in Litschers Überblick unter dem Motto «Lepophiles of the Universe Unite» zu sehen sind.

 

Dr. Iris Grünacker-Janowitz, Lago di Garda, Ende April 2019

 

Seit 2012 lädt das Kunstmuseum Olten in loser Folge Kunstschaffende dazu ein, sich aus zeitgenössischer Perspektive mit seinem Gründungsbestand, dem Nachlass des ebenso virtuosen wie kämpferischen Schweizer Zeichners und Karikaturisten Martin Disteli (1802–1844), auseinanderzusetzen. Die bisherigen Dialoge wurden gestaltet von Com&Com, Ernst Thoma, San Keller und Monica Germann & Daniel Lorenzi. Die fünfte Ausgabe liegt nun in der Händen des Innerschweizer Weltbürgers, Künstlers, Kurators, Autors, Theatermachers, Filmers und Performers Hans Peter Litscher (*1955). In Stans geboren und aufgewachsen, lebt er seit 1975 grösstenteils in Paris und Luzern.

 

Ausgehend von Distelis «tollem Jäger» entwickelt Hans Peter Litscher eine stark autobiographisch gefärbte Ausstellung, die eine kunsthistorisch und geistesgeschichtlich konnotierte und zugleich sehr persönliche Ikonographie des widerständigen, bösen Hasen vorschlägt. Sie gründet auf der Beobachtung, dass böse, revolutionäre Langohren besonders seit den 1960er-Jahren bei vielen Künstler*innen eine wichtige Rolle spielen, etwa bei Jean-Michel Basquiat, Josef Beuys, Annette Messager, Meret Oppenheim, Sigmar Polke, Dieter Roth oder Paul Thek.

 

Auch Litschers Eintritt ins Kunstsystem erfolgte 1971 im Kunstmuseum Luzern mit einer Hasen-Installation, womit er sich unter der Schirmherrschaft von Jean Christoph Ammann ins Epizentrum des damaligen Kunst- und Ausstellungsbetriebs mit Protagonisten wie Harald Szeemann und anderen katapultierte.

 

Die zahlreichen Werke der international bekannten Künstler*innen, die Litscher für das Oltner Projekt ausleihen konnte, spiegeln diesen Umstand ebenso wider wie seine besondere Fähigkeit, Geschichten zu sammeln, zu erzählen und mit vorhandenen und neuen Wirklichkeiten zu vernetzen. So sind die Technik der Collage oder Montage und die Verbindung von Text und Bild wichtige Instrumente in Litschers künstlerischer wie kuratorischer Arbeit. Entsprechend wird sich auch die Ausstellung selbst als eine Art Wunderkammer seltsamer Hasengeschichten präsentieren.

 

Mit Werken von Joseph Beuys, Adolf Dietrich, Shao Fan, Douglas Gordon, Pierre Klossowski, Annette Messager, Meret Oppenheim, Jason Rhoades, Dieter Roth, Margret Rufener, Hans Schärer, Paul Thek u.v.m.

 

Regelmässige Führungen mit dem Künstler/Kurator

Hans Peter Litscher ist ein genialer Netzwerker, begnadeter Geschichtensammler, Erzähler und Performer, der Wahrheiten stetig neu erfindet. Um die Vielschichtigkeit seiner Ausstellung und den Reichtum an darin ausgelegten Fährten und Bezügen annähernd durchdringen zu können, empfiehlt sich dringend, sich einer seiner öffentlichen Führungen anzuschliessen.

jeweils Do, 18 Uhr: 27. Februar, 12. März, 2. April

jeweils So, 11 Uhr: 9./16. Februar, 8. März, 12. April

Anmeldung obligatorisch unter 062 212 86 76 oder info@kunstmuseumolten.ch

ausdistelihasen2001